Griasmolle Ranzenburg e.V.

Ein Gründungsmitglied erinnert sich zurück

Kaum zu glauben, dass aus einer, vor fast 33 Jahren geborenen Idee, eine neue Maskengruppe zu gründen, eine riesige Griasmolleherde geworden ist. Auf dem „Bestell-Blöckle“ der Bedienung am Aschermittwoch in der Gaststätte „Forelle“ entstand die erste Skizze, wie in etwa ein Griasmolle aussehen könnte. Der Rest war Kreativität, Ideenreichtum, Organisationstalent und vor allem: viel Arbeit.

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Das Dietenheimer
Stadtwappen diente als Vorlage das Vereinswappen der Griasmolle Ranzenburg

Bild rechts:
Erster Entwurf des
Vereinswappen
(Roland Weber)

Viele Meter Webpelz wurden inzwischen zugeschnitten und vernäht, viele Nähmaschinennadeln abgebrochen, meterweise alte Antriebsriemen zu Schellengürteln umgearbeitet, Waschmitteltonnen als Unterkonstruktionen für die Masken gesammelt, Masken in einer leimgebundenen Pappmacheémasse modelliert, bemalt und lackiert. Rätschen gekauft.

Am schwierigsten umzusetzen war die Idee, Kuhhörner und Hennenfüße an den Masken zu befestigen.
Vom Schlachthof Ulm und von den heimischen Metzgereien besorgten wir die Kuhhörner. Diese mussten aufwendig und ausdauernd ausgekocht werden. Das stank bestialisch.
Aus Mutters Küche flogen wir hinaus und kochten auf dem Zwei-Platten-Herd im Garten weiter, bis die Hörner sauber und geruchsneutral waren.

Nie vergesse ich den Aufschrei meiner Oma, die zum Wäscheaufhängen die Leiter auf den Dachboden hinaufgestiegen war: als sie an den Leinen etwa 40 Hennenfüße baumeln sah. Das war natürlich nicht abgesprochen und muss für einen Nicht-Griasmolle ein schauriger Anblick gewesen sein. Jedenfalls konnten sämtliche technische und familiäre Probleme gelöst werden:

Die fertigen Griasmolle waren spitze! Hinzu kamen im Lauf der Jahre immer mehr Jungmolle. Manche bekamen Nachwuchs, der im Leiterwägele beim Umzug – natürlich im Kostüm – mitgezogen wurde.
Irgendwann kam der Wunsch nach einer Riesenrätsche auf: Halb so groß wie ein VW-Käfer aber mindestens zehnmal so laut.
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Das Griasmolle-Erwachen war geboren. Frühmorgens um 6:00 Uhr am Fasnets-Sonntig im Anschluss an den zu Ende gegangenen Ball fuhr man mit der Riesenrätsch durch Ranzenburg´s Straßen und Gassen.
Der Wiedererkennungseffekt beim Umzug am Nachmittag war enorm.

Bei so viel erregter Aufmerksamkeit ließen Einladungen in benachbarten Fasnetsmetropolen nicht lange auf sich warten. Immer weiter zogen sich die Kreise der Griasmolle.
Die Kostüme wurden aufwendiger, die Pelze dicker, es gab schon erste holzgeschnitzte Masken und die Zahl der Griasmolle war zu einer stattlichen Herde angewachsen, ein Wagen kam dazu. Und noch immer begeistern die Griasmolle Zuschauer aus nah und fern, noch immer sind die Masken urig wie am ersten Tag und noch immer begeistern sich junge Närrinnen und Narren dafür, in die Griasmolleherde aufgenommen zu werden und mitzujucken.

Euer Obergriasmolle Josef Wiedersatz
(im Zivilberuf Krankenhauspfarrer im Katharinenhospital in Stuttgart)